KATWARN Katastrophen Warnung auf dem Handy – ein Flop

Strandgut nach Überschwemmung

In diesem Blog wurde nach der Überschwemmung 2008 ein Starzel Warnsystem für Handy und Telefon vorgeschlagen und als Prototyp implementiert. Das Fraunhofer Institut hat diese Idee inzwischen aufgegriffen und bietet ein solches System Katwarn kommerziell an. Die Stadt Böblingen verwendet das System bereits. Das zeigt wie langsam  neue Ideen für Anwendungen im Internet in Deutschland umgesetzt werden. Immerhin bewegt sich nach 7 Jahren etwas.

Leider hat KATWARN das wichtigste Element des Vorschlags, die Beteiligung der Bevölkerung am Warnsystem. nicht umgesetzt. „Katastrophen Warner“ ähnlich wie die „Stauwarner beim Straßenverkehr“ gibt es nicht. Es werden nur „offizielle“ Warnungen der Behörden, die mehrer Stunden abgewägt wurden, ausgegeben.  Man hat offensichtlich bei Behörden und KATWARN Angst etwas falsch zu machen. Da macht man lieber nichts und nimmt in Kauf, daß ein paar Bürger bei Katastrophen umkommen.  Katastrophen treten meist lokal oder regional auf – globale Warnungen wie „es kann zu Überschwemmungen in Baden-Württemberg und Bayern kommen“ sind nicht hilfreich.

Die Bürger vor Ort können Katastrophen ähnlich wie einen Stau auf der Autobahn vor Ort schnell und zuverlässig erkennen. Genau diese Beteiligung gibt es bei KATWARN anders als beim vorgeschlagenen Hohenzollern Warnsystem aber nicht. Man erhält daher bei KATWARN häufig Warnungen „Starkregen im Schwarzwald“, die nicht relevant sind und beachtet diese Warnungen irgendwann nicht mehr. Unsere Behörden, die das System KATWARN bezahlen, trauen offensichtlich ihren Bürgern nicht. Alles muss unter der Kontrolle der Obrigkeit ablaufen. So kann ein Warnsystem im Zeitalter der Smartphones und der sozialen Netzwerke nicht funktionieren.

Ein weiteres Element des vorgeschlagenen Hohenzollern Alarmsystems, die Benachrichtigung mit Sprache speziell für ältere Menschen über Telefon, gibt es bei KATWARN ebenfalls nicht. Selbst wenn die Bürger ein Smartphone haben, ist es häufig nicht eingeschaltet. Schließlich wollen die Senioren etwas für die Umwelt tun und Strom sparen

Ein Beispiel wie das Fehlen eines Warnsystems zu lebensgefährlichen Situationen führen kann, war beim Hochwasser in Hechingen und beim Hochwasser in Braunsbach am 29.Mai 2016 zu beobachten.

Braunsbach liegt direkt am Fluss Kocher. Teile des Ortes werden bei Hochwasser der Kocher auch überschwemmt. Die Behörden haben ein Warnsystem für Kocher Hochwasser eingerichtet. Das Hochwasser von Braunsbach kam über nicht vom Fluss, sondern von der Hohenloher Ebene über dem Ort. Solche Flächenhochwasser treten bei anhaltendem Regen und großen geneigten Flächen, die von der Landwirtschaft intensiv genutzt werden, recht häufig auf. Über kleine Seitentäler können dann große Mengen Regenwasser in die Flusstäler abfließen. Damit hatten die Behörden natürlich nicht gerechnet.

Beim Hochwasser in Hechingen kam die gefährlichste Überschwemmung nicht vom Fluss Starzel, sondern über die Straße. Offiziell hatte man sich gefreut, daß am automatischen Pegelmeßgerät der Pegel zurück ging, als Öko-Treibholz die Wassermassen an einer neu angelegten Brücke staute. Als dieser „Damm“ brach. gab es dann eine verheerende Flutwelle ähnlich wie in Braunsbach. Auch damit hatten die Behörden und die lokale Feuerwehr nicht gerechnet. Die Bürger vor Ort haben das Problem sehr wohl früh erkannt, hatten aber auch keine Möglichkeit, Warnungen an die Mitbürger geordnet weiter zu geben.

Auch in Braunsbach haben Bürger, die oberhalb des Ortes an den Hängen wohnen, die beginnende Flut recht früh gesehen, konnten aber die Bürger nicht warnen. Üblicherweise ruft man da auf dem Rathaus an, das aber am Abend nicht mehr besetzt ist. (Beim Jahrhundert Hochwasser in Stuttgart war der zuständige Referent gerade im Urlaub!)

Wichtig bei Katastrophen ist, daß die Bürger innerhalb von Minuten gewarnt und anschließend geordnet informiert werden. Wenn wie in Dallas Hacker die Alarmsirenen stundenlang heulen lassen, wird die Hilflosigkeit der Behörden deutlich sichtbar. In Deutschland gibt es aber meist keine Meldesysteme für Katastrophen – es ist ja nach dem 2. Weltkrieg bisher alles gut gegangen. Zum Glück helfen sich die Bürger bei großflächigem Stromausfall, Anschlägen oder Panik bei Großveranstaltungen über soziale Netzwerke selbst. Nicht jeder kann aber aus der Flut der Meldungen die sinnvollen Nachrichten herausfiltern. Offizielle Warnmelder müssen deshalb geschult werden (möglichst Online). Die Polizei z.B. in München hat auch eigene Meldesysteme aufgebaut, die aber kaum Bürger der Stadt kennen. Besucher bleiben aber dabei außen vor.

Zum Glück hat es in den letzten Jahren in Deutschland keine größeren Katastrophen gegeben. Sicher ist jedoch, daß unsere Verwaltungen auf Ernstfälle schlecht vorbereitet sind. Bisher hat man sich auf die freiwilligen Feuerwehren und das Technische Hilfswerk verlassen. Diese haben aber weder genügend Kräfte noch das moderne technische Gerät, das im Notfall benötigt wird. Man muss hier lokale Firmen Baufirmen, Elekriker, Installateure usw einbeziehen – dafür fehlt aber bei den Behörden die notwendige Organisation. Zum Glück gibt es die sozialen Netzwerke im Ort, die für die notwendige Koordination vor Ort sorgen. Da die helfenden Firmen keine EU Ausschreibung machen, bevor sie zur Tat schreiten, gibt es regelmäßig beim Bezahlen Ärger mit den zuständigen Behörden.

Es gibt auch keine Aussicht auf Verbesserung. Im Wahlprogramm der CDU/CSU für  die  Bundestagswahl 2013 kommt das Wort Katastrophenschutz nicht vor. Hier hat man Wort gehalten – man hat auch nichts gemacht.

Rechberghausen denkt weiter

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2 Antworten zu “KATWARN Katastrophen Warnung auf dem Handy – ein Flop

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