Obwohl man im Sommer fast täglich über Hochwasser in verschiedenen Gegenden liest, macht man sich als Hausbesitzer oder Mieter keine Gedanken (Hochwasser Check) bevor das Wasser im Keller ist. Tritt der Fall dann ein, hat man keine Zeit sich im Internet zu informieren wie man eigentlich vorgehen sollte.
Dieser Blog Eintrag eines Betroffenen ist deshalb eher für Familienangehörige und Freunde gedacht, die im Überschwemmungsfall helfen wollen und basiert leider auf eigener leidvoller Erfahrung..
Achtung: Bei Überschwemmung können Keller, Wasser und Geräte unter Spannung stehen. Möglichst Hauptsicherung öffnen und den Elektriker schnell mit der Prüfung und der Einrichtung einer Notelektroversorgung beauftragen. Immer mit Gummihandschuhen und Gummistiefeln arbeiten. Elektrogeräte für die Reinigung mit Fehlerstromschutzschaltung betreiben.
Das wichtigste Ziel ist es, zunächst das Wasser so schnell wie möglich wieder aus dem Haus zu bekommen und nicht zu warten bis die Versicherung nach längerer Zeit einen Spezialisten schickt. Es genügt den Schaden für die Versicherung zu fotografieren und den Höchstwasserstand zu dokumentieren. Je länger das Wasser Zeit hat in den Putz, die Wände und den Estrich eines Hauses einzudringen, desto größer sind die Schäden und die Trockenzeit.
Bei kleineren Überschwemmungen durch Rückstau wird das Wasser wieder durch den Kellerabfluss abfließen, durch den es eingedrungen ist. Eventuell muss man den verstopften Abfluss reinigen. Bei massiven Überschwemmungen mit > 1 m Wasser wird die Feuerwehr den Keller auspumpen müssen. Dabei bleiben aber typisch etwa 10 cm Restwasser im Keller. Dieses Restwasser oder das Wasser kleinerer Überschwemmungen kann man mit einer Schmutzwasserpumpe, die es im Baumarkt für wenig Geld gibt, abpumpen. Das Wichtigste ist dabei ein langer (mindestens 10 m) Abwasserschlauch damit man das Wasser aus dem Haus bekommt. Achtung: möglichst schon beim Kauf ausprobieren, ob der Abwasserschlauch zur Schmutzwasserpumpe passt! Die Schmutzwasserpumpe braucht aber auch eine minimale Wasserhöhe. Damit man den letzten Rest Wasser abpumpen kann, hat es sich bewährt die Schmutzwasserpumpe in eine Mörtelwanne zu stellen und das Schmutzwasser mit einem Wasserschieber (gibt’s auch billig im Baumarkt) zusammenzuschieben und mit einer flachen Schaufel (frankfurter Schaufel) in die Mörtelwanne zu schaufeln (zur Not geht das auch mit der Kehrschaufel). Sobald genügend Wasser in der Mörtelwanne ist, läuft die Schmutzwasserpumpe automatisch an, wenn sich der Schwimmer nach oben bewegt. Eventuell lohnt es sich schon bei der ersten Reinigungsrunde Boden und Einrichtungsgegenstände mit dem Gartenenschlauch grob zu reinigen (obwohl es weh tut zusätzlich Wasser in den Keller zu spritzen).
Danach sollten möglichst alle Einrichtungsgegenstände aus dem Keller entfernt werden und für die Begutachtung durch die Versicherung gelagert werden. Dabei muss Teppichboden, Laminat usw vollständig entfernt werden. Nur bei gutem altem Parkett mit dicken Holzstäbchen lohnt sich ein Rettungsversuch. Hierfür sollte man aber den Rat eines Parkettlegers einholen. Danach spritzt man den Kellerboden und die Wände nochmal ab (2. Reinigung) und entfernt das Schmutzwasser wieder mit Schieber, Schaufel und Schmutzwasserpumpe. Danach folgt die Feinreinigung möglichst mit Dampfstrahler (3. Reinigung). Bei ganz schlimmer Verschmutzung muss man die Wände eventuell sogar desinfizieren. Mit dem Dampfstrahler sollte man nicht zu viel Wasser mit hohem Druck in die Kellerwände einbringen. Sind im Keller Fliesen oder ein Estrich verlegt, sollte man die Wandleisten entfernen und darauf achten, dass die Lücke zwischen Boden und Wand trocken ist. Hatte man im mit Platten ausgelegten Keller die Fugen sauber mit Silikon abgedichtet, wird kein Wasser an den Wandfugen eindringen und der Estrich bleibt trocken. Das spart eine Menge Ärger weil die Estrichtrocknung langwierig und teuer ist. Alternativ kann man auch die Estrichkanten, Boden und die Wand hinter den Leisten mit Betonfarbe (vor dem Hochwasser !) streichen. Jetzt kann man auch mit Haushaltsgeräten für die Bodenreinigung arbeiten.
Diese Grundreinigung sollte so schnell wie möglich erfolgen, um die Wasserschäden gering zu halten und um den Keller möglichst schnell wieder trocken zu bekommen.
Liste der Geräte zur Kellereinigung (schlaue Helfer bringen diese mit!)
- Gummistiefel und Gummihandschuhe in verschiedenen Größen auch für Helfer
- Mehrere Eimer und Putzmittel
- Schmutzwasserpumpe mit mindesten 10 m Abwasserschlauch
- Gummischieber mit langen Stiel
- Flachschaufel
- Gartenschlauch (> 15 m) – Anschluss nicht vergessen
- Elektrokabel > 20 m und Fehlerstromschutzschalter (Zwischensteckdose)
- Dampfstrahler (Kärcher)
Bei Hochwasseropfern kann man sich beliebt machen, wenn man die Versorgung mit Essen der Helfer übernimmt. Die Bereitstellung mehrerer Kästen Bier sollte aber vermieden werden, da dies den Fortgang der Arbeiten hemmen kann.
Bei größeren Überschwemmungen sind die Utensilien für die Reinigung schnell in den lokalen Geschäften ausverkauft. Es lohnt sich dann bei nicht betroffenen Freunden nachzufragen oder in einem nicht betroffenen Nachbarort einzukaufen.
Achtung: Gewarnt wird von Trocknungshaien, die oft im Auftrag der Versicherung Lufttrockner im überschwemmten Haus aufbauen. Meist sind die Firmen nur daran interessiert, die Trochnungsgeräte möglichst lange laufen zu lassen und vernachlässigen oder verzögern deshalb die Grundtrocknung. Selbst wenn die Versicherung die Trocknung bezahlt, sind die lauten, Tag und Nacht laufenden Trockner keine Freude im überschwemmten Haus.
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